Schwedenschanze Isingerode:
Jungbronzezeitlicher Burgwall
Home : sitemap
Tumulus Evessen
Çatal Höyük
Reisebericht Anatolien 2002
Hünenburg/Heeseberg
Der Fall Wurmberg/Harz
 

Am 3.6.2006 startete das Musem für Ur- und Frühgeschichte in Wolfenbüttel die erste Grabungskampagne auf der "Schwedenschanze" in Isingerrode. Wieder dabei bin ich mit dem archäologischen Förderverein FABL e.V..

DER ORT

Der Ort zwischen Schladen und Hornburg im nördlichen Harzvorland liegt am Rand einer von mehreren Terrassen, die die Flüsse Ecker, Oker und Warne seit der Eiszeit dort umgelagert hatten. Die Topographie des Geländes ist sehr auffällig: Ein steiler Abhang von 32m Tiefe begrenzt die Terrasse nach Westen, unterhalb derer der Ort Isingerode mit der Ecker liegt. An der Kante entlang erstreckt sich ein schmales Waldstück, das seit den Fünfziger Jahren dort entstanden ist. Dahinter liegt ein Getreidefeld. Wir finden hier nicht den fruchtbaren Lößboden, wie er nur wenige Kilometer weiter nördlich vorkommt, sondern Kies. Entsprechend schwer hat es die Landwirtschaft: Die Humusschicht ist nur etwa 20 cm stark, der Boden wenig ergiebig.

Planum im Grabenbereich
Bild: Planum im Grabenbereich.

LUFTBILDER

Schon in den Dreißiger Jahren des 20. Jhds. machte ein Archäologe erste Luftbilder über Isingerode. Auf ihnen ist ein Wallgraben zu erkennen, der jedoch nicht kreisrund, sondern nur halbmondförmig an der Kante der Terrasse gelegen ist. Von der Anlage war zu diesen Zeitpunkt sogar noch mehr erhalten. Leider wurde lange Zeit entlang der Kante Kies abgebaut und dabei mindestens ein Drittel der Gesamtanlage unwiederbringlich zerstört. Erst in den Fünfziger Jahren wurde der Abbau gestoppt und das Gelände unter Naturschutz gestellt. Das führte zwar zur Rettung der verblieben Teile, jetzt aber konkurrieren der Naturschutz und Archäologie.

Mit der neuen Grabungskampagne erschien es daher sinnvoll, erneut über das Gelände zu fliegen. Am 17.Juni 2006 war es soweit: Schon am Boden sind Unterschiede deutlich erkennbar. Über dem Graben ist das Getreide noch grün, das übrige Feld ist bereits fast reif.

Grabung, Blick nach Süden.
Bild: Grabung, Blick nach Süden.

DER FLUG

Auf dem Sportflugplatz Schäferstuhl in Salzgitter-Bad steige ich in eine DR400 Robin, eine kleine viersitzige Sportmaschine von ca. 1970. Nach einer kleinen, vertrauenerweckenden Startschwierigkeit heben wir um 16.41 Uhr in Richtung Isingerode ab. Das Wetter ist ideal: Bedeckter Himmel, also kein Schattenwurf, aber kein Regen und warm. Schnell erreichen wir die 1000m-Grenze, dann aber geht es wieder abwärts auf gerade mal 150m über dem Boden. Das Plexiglas-Verdeck besitzt leider keine Kamera-Öffnung, also muss ich durch die Scheibe fotografieren und versuchen nicht zu wackeln!

Einstieg ins CockpitBild: Einstieg ins Cockpit.

Über Isingerode haben wir dann das große Aha-Erlebnis. Nicht ein Wallgraben, nein zwei konzentrische Gräben zeichnen sich deutlich ab. Damit hat der Grabungsleiter Wolf-Dieter Steinmetz nicht unbedingt gerechnet. Zwar waren auf den alten Luftbildern gewisse Strukturen erkennbar, sie aber als zweiten Graben zu deuten, erschien zu gewagt.
Deutlich wird auch, dass die Ausgrabungsfläche richtig eingemessen wurde und den inneren Graben anschneidet.

Isingerode: Schwedenschanze Übersicht
Bild: Übersicht, Blick nach Osten.


Isingerode: Schwedenschanze Kante der Kiesterrasse
Bild: Kante der Kiesterrasse.



IN DER NÄHE: DIE WERLA

Nach diesen phantastischen Eindrücken fliegt uns der Pilot freundlicherweise über ein weiteres Bodendenkmal in der Umgebung. Die Kaiserpfalz bei Werlaburgdorf, bei uns kurz "die Werla" genannt, wird gerade archäologisch untersucht. Die ca. 1000 Jahre alte Anlage ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht touristisch erschlossen und soll in den folgenden Jahren in einen archäologischen Park eingebettet werden. (Nachtrag 2014: Inzwischen sind die eindrucksvollen Überreste freigelegt, ein Turm wurde rekonstruiert und die Werla ist für Besucher kostenfrei geöffnet.)

Kaiserpfalz Werla: Luftbild
Bild: Kaiserpfalz Werla vor der Ausgrabung 2006.

Nach insgesamt einer halben Stunde in der Luft landen wir sanft auf der Piste. Die Kameras voll mit einigen hundert Aufnahmen und überwältigt von den Eindrücken fahren wir mit dem Auto nach Isingerode zurück.

nach oben

    THEMEN:

Luftbildarchäologie: Die Luftbildarchäologie dient der Suche und Erkundung von Bodendenkmälern sowie der Vorbereitung von Grabungen. Besondere Bedeutung haben Bewuchsmerkmale, also aus der Luft sichtbare Unterschiede des Reifegrades oder der Dichte von Pflanzen insbesondere auf Äckern. Nur zu bestimmten Jahreszeiten und meist auch nur wenige Tage sind Anomalien über Mauerresten oder verfüllten Gräben zu beobachten. Auch geologische Strukturen werden durch Verfärbungen sichtbar. Diese allerdings unterscheidet das geübte Auge leicht von Bodendenkmälern. Die folgenden Ausschnitte desselben Bildes verdeutlichen die Schwierigkeiten.


Feld unreif, kaum etwas erkennbar.
Feld unreif, kaum etwas erkennbar.
 
Beginnende Reife: geologische Strukturen.
Beginnende Reife: geologische Strukturen.
 
Bodendenkmal erkennbar.
Bodendenkmal erkennbar.


Landwirtschaft und Archäologie: Normalerweise reicht der Pflug 50-80 cm tief und hat in diesem Bereich alle Zusammenhänge zerstört oder gar das Gelände eingeebnet. Die Archäologie verdankt der intensiven Landwirtschaft aber auch die Entdeckung unzähliger Bodendenkmäler. So haben schon immer Bauern auf den Feldern Oberflächenfunde gemacht und die Denkmalämter informiert. Auch die Luftbildarchäologie entdeckt immer wieder vor allem auf Feldern neue Bodendenkmale. Eine enge Zusammenarbeit mit den Bauern ist daher erforderlich, aber auch Überzeugungsarbeit im Vorfeld einer Grabung. In Isingerode ist der betreffende Bauer sehr kooperativ. Freundlicherweise dürfen wir sogar nach der Ernte das ganze Feld untersuchen, wo wir jetzt nur am Rande graben.

Schwedenschanze: Unzählige Scherben in den Heimatmuseen und privaten Kellern zeugen vom Interesse an unserer Ur-und Frühgeschichte. Auch in Isingerode haben sich die Menschen über ihre Funde Gedanken gemacht. Ein Anwohner berichtet, dass ein Lehrer in seiner Kindheit mit seiner Klasse in einem Fuchsbau ein gut erhaltenes Gefäß gefunden und mit in die Schule genommen hat. Dennoch war immer unklar, wie alt die Anlage wirklich ist. So bekam sie den Namen "Schwedenschanze", wie unzählige ähnliche Bodendenkmale in Deutschland auch, deren wahre Funktion unbekannt war. Zwar sind die Schweden im Dreißigjährigen Krieg hier irgendwo durchgezogen, und der Ort ist aus strategischer Sicht sehr interessant, sonst gäbe es dort keine Burg, dennoch haben wir es mit einem Burgwall aus der jüngeren Bronzezeit zu tun. Dies belegen bereits die Oberflächenfunde, die gut datierbar sind.
   
  © und webdesign catal.de   © Bilder: Gabriele Uhlmann.